Pascale Naessens - Keramik

Über Keramik und Sabiha Ayari

Love it!

Sabiha Ayari muss damals etwa 40 Jahre alt gewesen sein. Sie war unverheiratet und hatte keine Kinder. In einem arabischen Land eine große Ausnahme. Dennoch zählt sie zu den wenigen alleinstehenden und nichtsdestotrotz glücklichen Frauen, die mir in Tunesien begegnet sind. Das geschah während unserer Segeltour über das Mittelmeer, über die wir eine dreizehnteilige Fernsehserie mit dem Titel „Jambers Odyssee“ drehten. Sabiha lebte in Sejnane, einem abgelegenen Dorf unweit der Küstenstadt Bizerte. Sie stellte wunderbare, kunsthandwerkliche Gegenstände her, aber auch kleine Keramikskulpturen. Ihr Ruf als Kunsthandwerkerin hatte ihr sogar einige Berühmtheit verschafft. Ihre Arbeiten verkaufte sie in einem kleinen Laden an der Straße und war von nichts und niemandem abhängig. Sie konnte sogar etwas auf die Seite legen und wurde durch alle geschätzt. Gelegentlich schickte sie die tunesische Regierung sogar zu internationalen Veranstaltungen, wo sie ihre Arbeiten präsentierte.

In erster Linie faszinierte mich, dass diese Frau mit den ihr zur Verfügung stehenden, begrenzten Mitteln, mit ihrer unzureichenden Schulbildung und die überdies in einem Land lebt, in dem man als Frau kein leichtes Leben hat, es doch geschafft hat, sich selbstständig zu machen. Ihre Kreativität, ihre künstlerische Vision und ihre Hartnäckigkeit waren ihre einzigen Trümpfe. Ohne Mann konnte sie die Person sein, die sie war, sie konnte arbeiten und unbegleitet ins Ausland reisen. Ihre Töpferkunst bedeutete für sie Freiheit.

Zurück in Belgien, suchte ich jemanden, bei dem ich alles über das Töpfern lernen konnte. So fand ich Bie van Gucht. Sie hat ihr Atelier in einer wunderschönen kleinen Kapelle aus dem fünfzehnten Jahrhundert in Rumst, nahe Antwerpen. Mich ergriff sofort Begeisterung für das Material Ton, ich fand es großartig, mit den Naturelementen Erde, Wasser und Feuer spielen zu können. Oft erlebte ich Frust und Verdruss. Es erfordert Kraft, Materialkenntnis, Kreativität, Begabung und vor allem Durchhaltevermögen, einen formlosen Klumpen Ton auf der Drehscheibe mit den eigenen Händen in eine makellose Form zu verwandeln, man muss endlos üben und nach jedem missglückten Versuch wieder von vorne beginnen. Zum Glück war Bie immer da, um mir zu helfen. Ich besuche gern ihr Atelier und treffe dort auf Männer und Frauen aller Altersstufen und mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, die sämtlich die „Liebe zum Ton“ teilen. Das sind für  mich wertvolle und entspannende Augenblicke, von denen ich noch viele erleben möchte.

Mittlerweile kreiere ich auf meiner eigenen Drehscheibe schon seit einigen Jahren Keramikobjekte und Geschirr. Ich war überglücklich, als mir meine Freunde im vergangenen Jahr zum Geburtstag überraschend einen Brennofen schenkten. Treibende Kraft hinter der Idee war Paul. Wenn mich jemand zu Hause sucht

'In erster Linie faszinierte mich, dass diese Frau mit den ihr zur Verfügung stehenden, begrenzten Mitteln, mit ihrer unzureichenden Schulbildung und die überdies in einem Land lebt, in dem man als Frau kein leichtes Leben hat, es doch geschafft hat, sich selbstständig zu machen.'

Portret Sabiha Ayari
Pascale Naessens - Keramik