Pascale Naessens steht Naked Chef in nichts nach

17 Oktober 2015
Love it!

Nachdruck eines am 17.10.2015 in der flämischen Tageszeitung De Standaard erschienenen Artikels

Pascale Naessens hat die besten Kochbücher der vergangenen 20 Jahre geschrieben. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde sie zur „Best of the Best“ in der Kategorie „Best Series“ gekürt.

Kochbücher nehmen auf den Buchmessen einen immer größeren Raum ein. Das trifft für Antwerpen zu und auch bei der Frankfurter Buchmesse, der größten Buchmesse der Welt, ist das nicht anders. Eine komplette Halle ist ausschließlich der Kochkunst gewidmet, mit Büchern aus aller Welt. Die französische Organisation Gourmand International sprang auf den Zug auf und kürte die „Best of the Best“, die besten Kochbücher der vergangenen zwanzig Jahre. Dabei werden Preise in Dutzenden von Kategorien verliehen. Vom besten Kochbuch, eine Auszeichnung, die Jamie Oliver sich für sein The naked Chef ans Revers stecken darf, bis zur besten Kochbuchreihe, einem Preis, der Pascale Naessens für die sechs von ihr herausgegebenen Bücher verliehen wurde. Sechs Bücher, die, so lehrt uns ein Blick auf die Top-Zehn der vergangenen Woche, die sechs ersten Plätze in der Liste der Non-Fiction-/Freizeitbücher einnehmen. In denselben Tops ist von Jeroen Meus und Piet Huysentruyt keine Spur zu finden.

Wie viele Bücher aus ihrer Hand auf den gesamten flämischen Salon- und Küchentischen liegen, wissen wir nicht genau. Naessens gibt nie Zahlen preis. „Ich habe da meine Grundsätze“, sagt sie. „Sonst erhältst du doch nur falsche Interpretationen und gehässige Reaktionen.“ Aber dass die erste Auflage ihres jüngsten Buches „Puur eten 2“ (Pur essen 2) mit einem Rekordumfang von 110.000 Ausgaben auf den Markt gebracht wurde, ist schon vielsagend. 

Komfortfaktor
Sechs Bücher in ebenso vielen Jahren und damit die beste Reihe der Welt erzielen. Das ist doch schon eine Kunst in einem Markt, der auf den ersten Blick gesättigt scheint. „Aber ein Kochbuch ist nicht mehr, was es einmal war“, sagte Edouard Cointreau von den Gourmand World Cookbook Awards in Frankfurt bei der Preisverleihung am Donnerstagabend. „Vor zwanzig Jahren lagen Kochbücher irgendwo in einer Ecke, das war was für Fanatiker oder Experten. In der heutigen, komplexen Welt sind sie zu einem Komfortfaktor geworden, ein Fluchtweg in ein anderes Universum.“ Ein Punkt, an dem Pascale Naessens und der Zeitgeist sich treffen: „Ich finde nichts so falsch wie die Reduzierung von Nahrung auf technische Rezepte. Essen bedeutet für mich Ambiente, sich mit Menschen verbinden.“

Die Verbindung liefert Naessens ihr bestes Aushängeschild. Es fehlt nur noch, dass naessensen ein Verb wird. Leser, und vor allem Leseinnen brauchen nur ein Gericht, um sich gegenseitig den vielsagenden Blick „Pascale Naessens?“ zuzuwerfen. Dass die Palette von Lifestyle-Produkten im Kielwasser ihrer Bücher weiter anwächst und nach Olivenöl, Möbeln, Geschirr und Tischwäsche in Kürze auch Pfeffer und Salz auf den Markt kommen, passt zu diesem Trend.

„Vor sechs Jahren hätte ich mir das nie vorstellen können“, sagt sie. „Ich bin von meiner eigenen Philosophie, meinen eigenen Ideen, der Wissenschaft, in die ich mich persönlich vertieft habe, ausgegangen. Ich wollte selbst anders essen, weg von der verfeinerten Nahrung mit dem Übermaß an Kohlenhydraten, weil ich dadurch auch Gesundheitsprobleme bekommen hatte. Ich habe damals nicht im Entferntesten daran gedacht, dass ein Buch über meine Sichtweise von gesunder Nahrung Erfolg haben würde. Aber scheinbar habe ich es intuitiv auf eine andere Art und Weise angepackt als die Gesundheitsbücher aus dieser Zeit; ich war nicht einschränkend, erlegte keine Verbote auf, schrieb, dass man ruhig Fett essen darf und machte den Leuten einfach Lust, gesund zu essen.“

Gesundheit
Eine Strategie, von der wir vielleicht etwas lernen können in diesen Zeiten der strittigen Zuckersteuer? „Sie können nicht leugnen, dass wir ein Problem haben. Viele Menschen essen zu viel Zucker mit allen Gesundheitsproblemen, die damit zusammenhängen. Und man weiß einfach, dass das Problem nur noch größer werden wird. Aber ob die Zuckersteuer die Lösung ist? Ich glaube nicht daran. Man muss sich nicht der Versuchung annehmen, sondern die Menschen widerstandsfähiger gegen die Versuchungen machen. Das stelle ich auch bei meinen Lesern und den Reaktionen, die ich von ihnen erhalte, fest. Wenn Sie lernen, anders zu essen und das auf eine angenehme Weise tun, werden Sie weniger Zucker essen und verlieren Sie völlig das Verlangen nach Zucker und schnellen Kohlenhydraten.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Naessens mit einem Preis nach Hause geht. Sie hat 2013 bereits einen Gourmet Award erhalten und 2014 heimste sie auf der Beijing Cookbook Fair einen Preis von dem nicht völlig unbekannten Küchenchef Alain Ducasse ein. „Natürlich tut ein Preis gut“, sagt sie. „Es ist eine Eintrittskarte zu einem internationalen Markt und neuen Kontakten. Solch einem Preis habe ich es schließlich zu verdanken, dass ich jetzt in China verkauft werde. Das heißt natürlich von Null starten, denn wer ist Pascale Naessens im Ausland? Niemand oder?' (lacht)

 

* Den Niederländischen Artikel finden Sie nachstehend als herunterladbare PDF.

'Vor sechs Jahren hätte ich mir das nie vorstellen können. Ich habe damals nicht im Entferntesten daran gedacht, dass ein Buch über meine Sichtweise von gesunder Nahrung Erfolg haben würde.'