Ist Fisch heute noch gesund?

20 Januar 2015
Love it!

Fisch ist gesund, darüber besteht kein Zweifel! Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen. Aber falls Fisch heutzutage nicht mehr gesund sein sollte, hat das nichts mit dem Fisch selbst zu tun, sondern vor allem mit der Art und Weise, wie in bestimmten Zweigen der Fischindustrie mit diesen Meerestieren umgegangen wird. Dass Antibiotika und Pestizide in den Fisch gelangen, hat seine Gründe. Die Nahrungsmittelindustrie behauptet, dass sie den Wünschen des Konsumenten entspricht, wenn sie viel und vor allem billigen Fisch anbietet.

Das gleiche Problem sehen wir auch in der Fleischindustrie, über die ich neulich einen Artikel unter dem Titel „Klebfleisch“ (auch: Formfleisch) las. Dabei werden kleine Fleischstücke zusammengeklebt, so dass das Ergebnis wie ein schönes, ganzes Stück Fleisch wirkt, allerdings nur halb so viel kostet. Das sei es, was der Konsument wünsche, ist der Kommentar aus der Industrie: „billiges Fleisch, das gut aussieht.“ Auch der übermäßige Einsatz von Pestiziden ist bei bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln ein wirkliches Problem.

Auffällig ist, dass sich vor allem Großkonzerne in der Lebensmittelindustrie derartige Praktiken zuschulden kommen lassen. Diese Unternehmen sind so groß, dass man als Bürger nicht einmal mit ihren Zulieferern Kontakt aufnehmen kann, geschweige denn Fragen nach der Herkunft ihrer Lebensmittelprodukte und deren Zubereitung stellen kann. Bei kleineren Fleisch- und Fischlieferanten sowie landwirtschaftlichen Betrieben ist das sehr wohl möglich.

Bei dem Bauer, der sein Gemüse und Obst noch selbst anbaut, oder dem Fischer, der jeden Morgen persönlich seinen Fang auf dem Fischmarkt abliefert oder auf den Kais von Oostende und Nieuwpoort verkauft, und bei dem Viehbauer, der stolz auf seine Herde ist, weil er sie mit natürlichem Futter groß gezogen hat. Es gibt sie durchaus noch: authentische, ehrliche Lebensmittelproduzenten, denen die positive Beziehung zwischen Natur und Mensch eine Herzensangelegenheit ist. Es stimmt, dass jede Form der Landwirtschaft, Fischerei und Viehzucht per Definition etwas nicht Natürliches ist, das heißt aber noch lange nicht, dass man nicht nach einer harmonischen Beziehung zwischen Mensch und Natur streben sollte.

Doch dazu muss jeder sein Scherflein beitragen, auch der Konsument. Sind wir tatsächlich bereit, die zusätzliche Mühe auf uns zu nehmen, die die Suche nach den authentischen, unverfälschten hochqualitativen Produkten von gewissenhaften Produzenten mit sich bringt? Haben wir es nicht verlernt, uns für „gesunde, natürliche Lebensmittel“ stark zu machen? Wer stellt sich heutzutage noch die Frage, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen, was in ihnen steckt und wie zu zubereitet werden?

Ich fürchte, dass es bei den meisten Menschen aufhört mit: „Hauptsache, es schmeckt.“ Aber dabei berücksichtigen wir nicht, welchen Effekt diese raffinierten Nahrungsmittel auf unseren Körper und unser Gehirn haben. Wie viele Menschen machen sich bewusst, welch unappetitliches Zeug in „ganz normalen Keksen der Backindustrie“ stecken? Wer will heute noch Geld ausgeben für „hochqualitative Nahrungsmittel“? Masthühner verkaufen sich noch stets sehr viel besser als ihre in natürlicher Umgebung aufgewachsenen Artgenossen und Letztere sind dreimal so teuer. Haben wir es der Lebensmittelindustrie nicht zu einfach gemacht?

Ich persönlich jedenfalls suche immer öfter nach den kleinen Produzenten, die mir großer Leidenschaft erzählen, wie sie ihre Tiere zur Schlachtreife gebracht bzw. ihren Fisch gefangen oder ihr Gemüse angebaut haben. Vor solchen Menschen habe ich einen enormen Respekt – und sie vor uns.

Fragen Sie, wo Ihre Lebensmittel herkommen, suchen Sie die kleinen Produzenten in Ihrer Nähe. Jeder Einzelne kann Veränderung bewirken und gemeinsam verändern wir eine gesellschaftliche Überzeugung, eine Kultur.

Menschen wollen jetzt vielleicht wissen, wo genau ich meinen Fisch oder mein Fleisch hole, welche Kokosmilch ich verwende usw. Diese Fragen werden mir häufig gestellt. Doch leider kann ich darauf keine Antwort geben. Einerseits, weil ich mir meine Unabhängigkeit bewahren möchte, aber auch, weil ich nicht eine Art Garantieerklärung für bestimmte Unternehmen oder Produzenten abgeben möchte. Auch für mich ist die Such immer wieder schwierig. Stellen Sie sich vor, ich empfehle den Fisch eines bestimmten Produzenten und nachträglich stellt sich heraus, dass er doch nicht so gut war ... Jeder muss selbst diese Verantwortung auf sich nehmen und erst mit vereinten Kräften können wir die notwendigen Veränderungen bewirken.

'Sind wir tatsächlich bereit, die zusätzliche Mühe auf uns zu nehmen, die die Suche nach den authentischen, unverfälschten hochqualitativen Produkten von gewissenhaften Produzenten mit sich bringt?'