Interessante Studie über gesättigte Fettsäuren

18 April 2016
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Die leider von den Medien falsch interpretiert wurde ...

„Jeder Ernährungsratgeber beharrt nach wie vor auf den Vorzügen von Olivenöl und Co.“ titeln manche Zeitungen anlässlich der Neuauswertung einer alten wissenschaftlichen Untersuchung zu der gesundheitsschädlichen Wirkung gesättigter Fettsäuren. Doch Olivenöl wurde im Rahmen dieser Studie gar nicht untersucht. Worum geht es in dem Forschungsprojekt mit dem Titel „Re-evaluated Coronary Minnesota Experiment“ eigentlich genau?

Es geht um eine Neubewertung der Ergebnisse einer in den Jahren 1968 bis 1973 durchgeführten experimentellen Studie. Damals tauschte man im Speiseplan von Krankenhauspatienten einen Großteil der gesättigten Fettsäuren (vor allem in Butter) gegen „linolsäurereiche pflanzliche Fette und Öle“ aus, die heute besser als Omega-6-haltige Pflanzenfette bekannt sind. Hauptsächlich handelte es sich dabei um Maisöl und Margarine. Warum dieser Versuch? Unter Wissenschaftlern herrschte damals die Auffassung, dass gesättigte Fettsäuren das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigte und dass es der Gesundheit zuträglicher sei, diese durch Omega-6-haltige pflanzliche Fette und Öle zu ersetzen.

Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse führten dazu, dass die Lebensmittelindustrie gesättigte Fettsäuren in großem Stil gegen pflanzliche, Omega-6-haltige Fette und Öle austauschte, wie z. B. Maisöl, Sonnenblumenöl, Sojaöl und Margarinesorten. Für die Lebensmittelindustrie hatte das durchaus wirtschaftliche Vorteile, da diese Fette und Öle billiger und leichter zu verarbeiten sind.

Die Neubewertung der damaligen Studie hat nun gezeigt, dass der Austausch gesättigter Fettsäuren gegen „linolsäurereiche pflanzliche Omega-6-Fette und -Öle“ keine gute Entscheidung war, denn das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung konnte nicht gemindert werden, im Gegenteil.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen nachgewiesen, dass die weit verbreitete, einseitige Beschränkung auf eine einzige Sorte Fett (in diesem Fall speziell eines mit Omega-6-Fettsäuren) alles andere als gesundheitsfördernd war. Ein Zuviel an Omega-6-Fettsäuren, so weiß man heute, kann Entzündungen hervorrufen.

In dieser Hinsicht hat diese Studie eigentlich nichts Neues ans Tageslicht gebracht. Es gibt viele Ernährungswissenschaftler, die sich nie gegen gesättigte Fettsäuren ausgesprochen haben, unter anderem der britische Professor Aseem Malhotra und die niederländischen Professoren Fritz Muskiet und Hanno Pijl, wie auch viele ihrer Kollegen. Sie plädieren nicht nur dafür, mehr Fette und Öle zu konsumieren, sondern sie betonen auch, dass Abwechslung im Verzehr dieser wichtig ist. Beispielsweise ist heute bekannt, dass auch der Omega-3-Fettsäure essenzielle Bedeutung in einer gesunden Ernährung zukommt. Als Folge dieser vielfältigen neuen Erkenntnisse hat gesättigte Fettsäuren enthaltendes Kokos- und Palmöl unter Verbrauchern mittlerweile Beliebtheit errungen.

Manche Publikationen interpretieren die Faktenlage dahingehend, die Studie beziehe gegen sämtliche pflanzliche Fette und Öle Stellung, also auch Kokos- und Palmöl (enthalten gesättigte Fettsäuren). Doch das widerspricht deutlich dem, was die Studie nachweisen konnte, nämlich dass gesättigte Fettsäuren nicht grundsätzlich gesundheitsschädlich sind! Die kürzlich erfolgte Neuauswertung behandelt also nicht die Bewertung von tierischen Fetten (die angeblich gesund seien) gegenüber pflanzlichen Fetten (die angeblich weniger gesund seien), wie einige Medien es darstellen. So einfach ist die Sache leider nicht. Es geht vielmehr um die Art der Fette und Öle: „gesättigte Fettsäuren“ gegenüber „ungesättigten Fettsäuren bzw. Omega-6-Fettsäuren“.

Das einzige Fazit, das die Studie zieht, ist, dass es ungünstig war, die gesättigten Fettsäuren durch „linolsäurereiche, pflanzliche Fette und Öle“ zu ersetzen. Und hiermit liegt die Studie voll auf der Linie der modernen Ernährungswissenschaft.

Leider sind manche Ernährungswissenschaftler auch heute noch davon überzeugt, dass gesättigte Fettsäuren schädlich für unsere Gesundheit seien. Sie wenden sich nicht nur gegen alle gesättigte Fettsäuren enthaltenden tierischen Fette, wie beispielsweise Butter, sondern auch gegen pflanzliche Fette und Öle, wie z. B. Kokos- und Palmöl.

Und was ist mit Olivenöl? Laut manchen Medien ist auch Olivenöl ungesund - aber woher kommt diese Bewertung? In der experimentellen Studie wurde Olivenöl gar nicht untersucht. Deshalb kann ich auch nicht verstehen, weshalb ein Journalist plötzlich über Olivenöl schreibt. Olivenöl ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und ist nahezu linolsäurefrei. Es handelt sich hierbei um ein völlig anderes Öl, das nicht Untersuchungsgegenstand der Studie war und in ihr auch nicht erwähnt wurde. Folglich können auch keinerlei Rückschlüsse über seinen gesundheitlichen Wert gezogen werden.

Für die meisten Wissenschaftler und auch für die der Harvard-Universität gilt Olivenöl noch immer als eines der empfehlenswertesten Öle, dessen gesundheitliche Vorzüge möglicherweise den reichlich in ihm enthaltenen Polyphenolen zu verdanken ist. Erst kürzlich erschien eine Studie, die eindeutig für Olivenöl Stellung bezog.

Schon seit vielen Jahren lasse ich mich von führenden Wissenschaftlern inspirieren, die die Bedeutung von Fetten und Ölen in unserer Ernährung unterstreichen, einschließlich derer mit gesättigten Fettsäuren. Das passt ins Bild: Heutzutage betrachtet man nicht mehr Fette und Öle selbst als das Problem, sondern vielmehr den übermäßigen Verzehr derselben. Lesen Sie hierzu auch mein Interview mit Professor Hanno Pijl in der Zeitschrift „Feeling GOLD“, das sich ausführlich mit diesem Thema beschäftigt.

Meine persönliche Schlussfolgerung und auch der Standpunkt, den ich in meinen Büchern vertrete, lauten:

  1. Wer sich gesund und abwechslungsreich ernährt, braucht gesättigte Fettsäuren enthaltende Fette und Öle nicht zu meiden. Wichtig ist, sich immer für das vollwertige, unbehandelte Produkt zu entscheiden, also beispielsweise Kokosöl, Vollfettjoghurt, Eier, naturbelassene Butter. Ich bin keine Anhängerin der These „Fett ist ungesund“.
  2. Zum Kochen sollte man vorzugsweise Olivenöl oder Kokosöl verwenden, aber auch Butter ist durchaus empfehlenswert.
  3. Omega-6-Fettsäuren sollten hingegen vermieden werden. Für sich genommen, sind sie nicht ungesund, allerdings werden sie das, wenn sie in zu großen Mengen und zu einseitig verzehrt werden. Der Verzehr von zu vielen Omega-6-Fettsäuren bei gleichzeitig zu wenigen Omega-3-Fettsäuren wirkt entzündungsfördernd. Stehen Fleisch, Fisch, Geflügel, Nüsse, Kerne und Gemüse auf unserem Speiseplan, ist unser Grundbedarf an Omega-6-Fettsäuren bereits abgedeckt.
  4. Der Genuss von Fetten und Ölen sollte genauso abwechslungsreich gestaltet werden, wie die Ernährung insgesamt. Verwenden Sie also neben Omega-3-Fettsäuren (u. a. in Fisch und manchen Nüssen und Kernen), auch einfach ungesättigte Fettsäuren (u. a. in Olivenöl, Avocado), gesättigte Fettsäuren (u. a. in Kokosöl, Vollfettjoghurt, naturbelassener Butter, Eiern) und, in der Tat, auch Omega-6-Fettsäuren (siehe oben.).

Aus diesem Grund finde ich es auch besonders bedauerlich, dass manche Medien die vorliegende Studie falsch ausgelegt haben und dadurch mehr Verwirrung gestiftet als Aufklärung verbreitet haben. Denn es handelt sich um eine wertvolle wissenschaftliche Untersuchung, die die Standpunkte der modernen Ernährungswissenschaft bestärkt. Meine Botschaft ist und bleibt: Olivenöl, Kokosöl und Butter – alle drei sind gesund.

Die Erkenntnisse dieser Studie sind für mich persönlich alles andere als neu. Um dies zu unterstreichen, möchte ich an dieser Stelle Professor Hanno Pijl zitieren, den ich vor der Veröffentlichung der besagten Studie, also noch bevor das Thema in die Medien gelang, für „Feeling GOLD“ interviewt habe: Das Interview erscheint in dieser Woche.

Hanno Pijl„Mittlerweile hat die Sieben-Länder-Studie viele Kritiker (PN: von Prof. Ancel Keys, Mitautor des ,Minnesota Coronary Experiment‘, 1968-73). Unter anderem wird eine wissenschaftlich unsaubere Durchführung bemängelt. Darüber hinaus gibt es in der Zwischenzeit viele neue epidemiologische Untersuchungen und auch umfangreiche Übersichtsstudien, mit denen sich eine Korrelation zwischen dem Verzehr von gesättigten Fettsäuren und Herzerkrankungen in keiner Form nachweisen lässt. Was diese Studien hingegen bestätigen, ist ein nachweislicher Zusammenhang zwischen dem Verzehr ,schneller‘ Kohlenhydrate und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Rückblickend betrachtet, haben wir also seit den 1970er Jahren falsche Ernährungsratschläge gegeben. Das wissen wir heute, es entspricht dem aktuellen Stand der Wissenschaft. So ist das in der Wissenschaft. Seit damals wurde der Einfluss von gesättigten Fettsäuren auf Koronarerkrankungen intensiv untersucht, mit dem Ergebnis, dass Fette und Öle, die solche Fettsäuren enthalten, keine Gefahr darstellen.“

Dieser Link führt Volltext der Studie.
Ich empfehle, die Studie zu lesen, sie ist nicht kompliziert geschrieben.